Nachdem der massive Energiekostenanstieg infolge der Ukraine-Krise allmählich aus dem Fokus der breiten Politik geraten war, führt uns die aktuelle Krise in der Straße von Hormuz drastisch vor Augen: Unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen ist keine rein ökologische Frage – sie ist eine existenzielle Bedrohung für unsere Wirtschaft und gesellschaftliche Stabilität.
Globaler Wendepunkt inmitten des Schocks
Während die Weltwirtschaft durch die erneuten Störungen der fossilen Lieferketten unter Druck gerät, zeigt der aktuelle Global Electricity Review 2026 von Ember einen entscheidenden Lichtblick.
Weltweit wurden im Jahr 2025 knapp 32.000 Terawattstunden (TWh) Strom erzeugt. Davon stammte rund ein Drittel aus erneuerbaren Quellen, Photovoltaik steuerte über 8 Prozent zum globales Strommix bei.
Gegenüber dem Vorjahr stieg die weltweite Stromerzeugung um 2,8 %. Dieser Zuwachs wurde vollständig durch Renewables – allen voran die Solarenergie – abgedeckt, die Stromproduktion aus fossilen Brennstoffen sank leicht um -0,2 %.
Erneuerbare (33,8%) lösten auf globaler Ebene Kohle (33,3%) als wichtigste Quelle der Stromproduktion ab. Auf den Plätzen 3 und 4 folgen Gas (23%) und Kernenergie (10%).
Insbesondere auch in Indien und China war die Stromerzeugung aus fossilen Quellen rückläufig, da der Zubau an Solarkraft ihr jeweiliges Nachfragewachstum übertraf. In China allein deckte die Solarenergie zwei Drittel des Anstiegs der Stromnachfrage ab.
Das bedeutet: Wir haben technologisch bereits bewiesen, dass Wirtschaftswachstum ohne zusätzlichen Hunger nach Kohle, Öl und Gas möglich ist.
| Kennzahl | China | Europäische Union (inkl. DE) | Globaler Durchschnitt |
| Anteil Wind & Solar am Strommix |
22 % |
30 % |
17,3 % |
| Wachstum Solarerzeugung (2025) |
40 % |
20 % |
30 % |
| Anteil am globalen Solar-Zubau |
58 % |
100 % |
|
| Anteil am globalen Wind-Zubau |
72 % |
100 % |
Sektorkopplung: Strom wird zum Rückgrat der Wirtschaft
Ein zentraler Trend der Energiewende ist die fortschreitende Sektorkopplung. Der Überfluss an günstigem Ökostrom beschleunigt die Elektrifizierung anderer Sektoren wie Wohnen, Verkehr und Industrie. Dort wird nach wie vor der weit überwiegende Anteil an Endenergie verbraucht und das Potenzial für Effizienzgewinne ist entsprechend riesig.
Mobilitätswende spart Ölimporte: Im Jahr 2025 erreichte der Anteil von Elektrofahrzeugen (EVs) am globalen Automarkt über 25 %. Die globale E-Flotte ersetzte 2025 bereits 1,8 Millionen Barrel Öl pro Tag.
Batterietechnik als Gamechanger: Der starke Verfall der Kosten für Batteriespeicher induzierte einen Zubau an Batteriespeicherkapazität um etwa 250 GWh. Spitzenreiter waren Chile, Australien – und die USA. Diese Entwicklung verändert die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Energieträger dramatisch und beginnt, fossile Brennstoffe auch außerhalb der Sonnenstunden zu verdrängen.
Deutschland im Vergleich: Starke Basis, fehlender Speicher
Der Anteil von Erneuerbaren am Strommix lag 2025 bei 56 Prozent.
Deutschland hat sich im Jahr 2025 als globaler Motor beim Windkraftausbau behauptet. Zusammen mit China, den USA und Indien verantwortete Deutschland 82 % des weltweiten Zubaus.
Doch der Blick auf Länder wie Australien oder Chile zeigt unsere größte Hausaufgabe: den massiven Ausbau von Speicherkapazitäten. Nur durch Batterien und intelligente Netze machen wir uns rund um die Uhr autark von Erdgas-Spitzenlasten, deren Preise derzeit wieder unkalkulierbar werden.
Energie als Schutzschild: Die Antwort auf Hormuz
Die aktuelle Krise zeigt die Verwundbarkeit zentralisierter, fossiler Systeme. Pipelines und Schifffahrtswege sind strategische Nadelöhre, die jederzeit als politische Waffe genutzt werden können. Unsere Antwort darauf ist die dezentrale Resilienz.
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Sektorkopplung als Befreiungsschlag: Die Elektrifizierung von Verkehr und Wärme ist unser stärkstes Werkzeug gegen fossile Erpressbarkeit. Weltweit ersetzte die E-Mobilität 2025 bereits 1,8 Millionen Barrel Öl pro Tag. Jede Wärmepumpe und jedes Elektroauto in unserer Region entzieht den Akteuren globaler Krisenherde ein Stück ihrer Macht.
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Unabhängigkeit durch Dezentralität: Windparks und PV-Anlagen auf unseren Dächern unterliegen keinem Embargo. Wenn wir Energie lokal erzeugen und in Batterien speichern, schaffen wir ein krisenfestes System, das unabhängig von den geopolitischen Verwerfungen in fernen Regionen funktioniert.
Fazit: Jetzt erst recht
Die „Hormuz-Krise“ darf nicht dazu führen, dass wir in Schockstarre verharren oder nach kurzfristigen, neuen fossilen Abhängigkeiten suchen. Sie muss der finale Weckruf sein, die Energiewende als das zu begreifen, was sie ist: Deutschlands wichtigstes Sicherheitsprojekt.
Als Energiegenossenschaft investieren wir nicht nur in Kilowattstunden, sondern in die Freiheit und Stabilität unserer Region. Wir bauen die Infrastruktur, die bleibt – krisenfest, lokal und unbestechlich.
Quelle: Basierend auf Daten des Ember Global Electricity Review 2026.
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