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Die zweite Welle der Energieabhängigkeit: Warum wir jetzt die Souveränität wählen müssen

13. Mai 2026 by Martin Pieske

Nachdem der massive Energiekostenanstieg infolge der Ukraine-Krise allmählich aus dem Fokus der breiten Politik geraten war, führt uns die aktuelle Krise in der Straße von Hormuz drastisch vor Augen: Unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen ist keine rein ökologische Frage – sie ist eine existenzielle Bedrohung für unsere Wirtschaft und gesellschaftliche Stabilität.

Globaler Wendepunkt inmitten des Schocks

Während die Weltwirtschaft durch die erneuten Störungen der fossilen Lieferketten unter Druck gerät, zeigt der aktuelle Global Electricity Review 2026 von Ember einen entscheidenden Lichtblick.

Weltweit wurden im Jahr 2025 knapp 32.000 Terawattstunden (TWh) Strom erzeugt. Davon stammte rund ein Drittel aus erneuerbaren Quellen, Photovoltaik steuerte über 8 Prozent zum globales Strommix bei.

Gegenüber dem Vorjahr stieg die weltweite Stromerzeugung um 2,8 %. Dieser Zuwachs wurde vollständig durch Renewables – allen voran die Solarenergie – abgedeckt, die Stromproduktion aus fossilen Brennstoffen sank leicht um -0,2 %.

Erneuerbare (33,8%) lösten auf globaler Ebene Kohle (33,3%) als wichtigste Quelle der Stromproduktion ab. Auf den Plätzen 3 und 4 folgen Gas (23%) und Kernenergie (10%).

Insbesondere auch in Indien und China war die Stromerzeugung aus fossilen Quellen rückläufig, da der Zubau an Solarkraft ihr jeweiliges Nachfragewachstum übertraf. In China allein deckte die Solarenergie zwei Drittel des Anstiegs der Stromnachfrage ab.

Das bedeutet: Wir haben technologisch bereits bewiesen, dass Wirtschaftswachstum ohne zusätzlichen Hunger nach Kohle, Öl und Gas möglich ist.

Kennzahl China Europäische Union (inkl. DE) Globaler Durchschnitt
Anteil Wind & Solar am Strommix

22 %

30 %

17,3 %

Wachstum Solarerzeugung (2025)

40 %

20 %

30 %

Anteil am globalen Solar-Zubau

58 %

100 %

Anteil am globalen Wind-Zubau

72 %

100 %

Sektorkopplung: Strom wird zum Rückgrat der Wirtschaft

Ein zentraler Trend der Energiewende ist die fortschreitende Sektorkopplung. Der Überfluss an günstigem Ökostrom beschleunigt die Elektrifizierung anderer Sektoren wie Wohnen, Verkehr und Industrie. Dort wird nach wie vor der weit überwiegende Anteil an Endenergie verbraucht und das Potenzial für Effizienzgewinne ist entsprechend riesig.

Mobilitätswende spart Ölimporte: Im Jahr 2025 erreichte der Anteil von Elektrofahrzeugen (EVs) am globalen Automarkt über 25 %. Die globale E-Flotte ersetzte 2025 bereits 1,8 Millionen Barrel Öl pro Tag.

Batterietechnik als Gamechanger: Der starke Verfall der Kosten für Batteriespeicher induzierte einen Zubau an Batteriespeicherkapazität um etwa 250 GWh. Spitzenreiter waren Chile, Australien – und die USA. Diese Entwicklung verändert die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Energieträger dramatisch und beginnt, fossile Brennstoffe auch außerhalb der Sonnenstunden zu verdrängen.

Deutschland im Vergleich: Starke Basis, fehlender Speicher

Der Anteil von Erneuerbaren am Strommix lag 2025 bei 56 Prozent.

Deutschland hat sich im Jahr 2025 als globaler Motor beim Windkraftausbau behauptet. Zusammen mit China, den USA und Indien verantwortete Deutschland 82 % des weltweiten Zubaus.

Doch der Blick auf Länder wie Australien oder Chile zeigt unsere größte Hausaufgabe: den massiven Ausbau von Speicherkapazitäten. Nur durch Batterien und intelligente Netze machen wir uns rund um die Uhr autark von Erdgas-Spitzenlasten, deren Preise derzeit wieder unkalkulierbar werden.

Energie als Schutzschild: Die Antwort auf Hormuz

Die aktuelle Krise zeigt die Verwundbarkeit zentralisierter, fossiler Systeme. Pipelines und Schifffahrtswege sind strategische Nadelöhre, die jederzeit als politische Waffe genutzt werden können. Unsere Antwort darauf ist die dezentrale Resilienz.

  • Sektorkopplung als Befreiungsschlag: Die Elektrifizierung von Verkehr und Wärme ist unser stärkstes Werkzeug gegen fossile Erpressbarkeit. Weltweit ersetzte die E-Mobilität 2025 bereits 1,8 Millionen Barrel Öl pro Tag. Jede Wärmepumpe und jedes Elektroauto in unserer Region entzieht den Akteuren globaler Krisenherde ein Stück ihrer Macht.

  • Unabhängigkeit durch Dezentralität: Windparks und PV-Anlagen auf unseren Dächern unterliegen keinem Embargo. Wenn wir Energie lokal erzeugen und in Batterien speichern, schaffen wir ein krisenfestes System, das unabhängig von den geopolitischen Verwerfungen in fernen Regionen funktioniert.

 

 

Fazit: Jetzt erst recht

Die „Hormuz-Krise“ darf nicht dazu führen, dass wir in Schockstarre verharren oder nach kurzfristigen, neuen fossilen Abhängigkeiten suchen. Sie muss der finale Weckruf sein, die Energiewende als das zu begreifen, was sie ist: Deutschlands wichtigstes Sicherheitsprojekt.

Als Energiegenossenschaft investieren wir nicht nur in Kilowattstunden, sondern in die Freiheit und Stabilität unserer Region. Wir bauen die Infrastruktur, die bleibt – krisenfest, lokal und unbestechlich.

Quelle: Basierend auf Daten des Ember Global Electricity Review 2026.

Filed Under: Politik

Liebertwolkwitz: ein Bürgerwindrad auf Leipziger Grund?!

24. März 2026 by Christian Polllscheit

Windradgegner beschweren sich darüber, dass die Versorgung der Großstadt, hier Leipzigs, zu einer Belastung der Umland-Gemeinden wird. Die EGL hat nun eine geeignete Fläche der Stadt Leipzig ermittelt. Die Fläche gehört der Stadt und befindet sich südöstlich der A38 am Rande der Ortschaft Liebertwolkwitz.
Der Vorstand hat dazu Gespräche mit der Stadt aufgenommen. Eine Reservierung wurde vorläufig zugesagt. Weitere Prüfungen werden durch die zahlreichen beteiligten Fachabteilungen der Stadt eingeleitet. Ziel ist zunächst eine vertragliche Vorvereinbarung mit der Stadt als rechtlicher Grundlage für den eigentlichen Antragsprozess. Dieser ist mit zahlreichen Begutachtungen, u.a. zu Geologie, Tier- und Landschaftsschutz, nicht nur aufwendig, sondern auch teuer.
Da sich das Gelände auch am Rande des „Südlichen Schlachtfeldes“ der Völkerschlacht befindet, hatte die EGL zuvor gemeinsam mit der Sächsischen Energieagentur (SAENA) und dem Sächsischen Landesamt für Denkmalschutz die Vereinbarkeit mit der Erinnerung an die Geschichte geprüft. Diese Verträglichkeitsprüfung hat die Fläche bestanden. Auch die übrigen unmittelbaren gesetzlichen Kriterien wie 1000 m Abstand zu bewohnten Gebieten und keine Überschneidung mit Landschaftsschutzgebieten gelten als erfüllt.
Nächst benachbart ist hier die Gemeinde Großpösna. Unter Hinweis auf die in dieser Gemeinde erfolgte Bürgerbeteiligung (s.o.) hat deren Bürgermeister diesem Vorhaben der EGL widersprochen. Der Vorstand bemüht sich um ein Gespräch mit der Gemeinde. Auch eine Beteiligung an einem Windrad auf der Fläche benachbart zur Deponie Cröbern wäre denkbar – damit könnte ein Bürgerwindrad Teil des Projekt auf dem Gemeindegegiet Großpösna werden. Der Vorstand hofft auf weitere konstruktive Gespräche mit der Stadt Leipzig und den umliegenden Gemeinden.

Filed Under: Politik, Windkraft

. . . im Wurzener Land: Interkommunale Zusammenarbeit

24. März 2026 by Christian Polllscheit

„Verstehen, verhandeln, gemeinsam gewinnen“ – um eine gemeinsame Strategie des Wurzener Landes zu erarbeiten, haben die Stadt Wurzen und die Gemeinden Bennewitz, Lossatal und Thallwitz sich zusammengeschlossen und mit Einbeziehung des Energieversorgers WURZENER LANDWERKE den „Bürgerdialog Erneuerbare Energien“ gestartet.

Filed Under: Politik

. . . in Großpösna: Aktive Mitgestaltung durch Bürgerbeirat

24. März 2026 by Christian Polllscheit

Mit erfolgreichem Bürgerbeteiligungsprozess hat die Gemeinde eine konstruktive Stellungnahme erarbeitet: „Der Ausbau von Windenergie ist ein Thema, bei dem man sich so richtig „in die Wolle“ bekommen kann. Aber nicht muss! Wir in Großpösna haben frühzeitig auf einen Beteiligungsprozess mit dem „Bürger-Beirat Windkraft“ gesetzt . . .
Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 25.08.2025 eine Stellungnahme zum Entwurf des Regionalplans beschlossen. Dies erfolgte auf der Grundlage der Empfehlung des „Bürger-Beirats Windkraft“ . . .
Im Ergebnis sollen an einer einzigen Stelle im Gemeindegebiet mögliche Windenergieanlagen konzentriert werden. Dies soll aus unserer Großpösnaer Perspektive „hinter“ der Deponie Cröbern möglich sein. Dort könnte das 1,3 %-Flächenziel an einer Stelle erfüllt werden und ein Wildwuchs im Gemeindegebiet mit einzelnen Anlagen an allen möglichen Standorten verhindert werden. Alle anderen Flächen in unserer Gemeinde wurden mit der Stellungnahme abgelehnt.“ (Gemeindeinformation v. 07.10.25)

Filed Under: Politik, Windkraft

. . . in Naunhof: Bürgerentscheid gegen Windkraft

24. März 2026 by Christian Polllscheit

Am 1. März 2026 haben die Bürgerinnen und Bürger von Naunhof mehrheitlich entschieden. Die Stadt soll alle rechtlichen Möglichkeiten nutzen, um Windenergieanlagen auf dem Gemeindegebiet zu verhindern. Die Entscheidung zeigt: Mitbestimmung und Akzeptanz sind entscheidend für die Umsetzung der Energiewende.
Für die Stadt bedeutet das, dass neue Windprojekte künftig abgelehnt werden, Projekte an andere Standorte verlagert werden müssen und Repowering erschwert wird.
Für uns als Energiegenossenschaft bedeutet das:
Bürgerenergieprojekte mit Beteiligung vor Ort sind der Schlüssel, um die Energiewende erfolgreich, regional und sozial getragen umzusetzen.

Filed Under: Politik, Windkraft

Bürgerbeteiligung zur Fortschreibung der Energiewende: von pauschaler Ablehnung bis zu aktiver Mitgestaltung . . .

24. März 2026 by Christian Polllscheit

770 Stellungnahmen zum 1. Entwurf für die Teilfortschreibung Erneuerbare Energien der Regionalplanung in Westsachsen gingen im Sommer letzten Jahres ein. Aufgrund der Reduzierung des Flächenziels von 2% auf 1,3% bis 2027 wird der vorgelegte Entwurf vom Planungsverband unter Berücksichtigung der Stellungnahmen überarbeitet: „Es ist geplant, die Öffentlichkeits- und Trägerbeteiligung dazu im 2. Quartal 2026 durchzuführen. Dann können Stellungnahmen zum neuen Entwurf der Teilfortschreibung Erneuerbare Energien abgegeben werden. Vordergründiges Ziel bildet der Abschluss eines rechtssicheren Teilfortschreibungsverfahrens bis zum 31.12.2027“ (Regionaler Planungsverband Leipzig Westsachsen)

Wie kaum ein anderes Thema in jüngerer Zeit bewegt der weitere Ausbau der Stromerzeugung durch Windkraft die Gemüter landauf landab in Westsachsen. Wie die folgenden Beispiele zeigen, reichen die Stellungnahmen in den Gemeinden und seitens der Gemeinden von pauschaler Ablehnung bis zu aktiver Mitgestaltung und interkommunaler Zusammenarbeit:

Filed Under: Politik

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