Windradgegner beschweren sich darüber, dass die Versorgung der Großstadt, hier Leipzigs, zu einer Belastung der Umland-Gemeinden wird. Die EGL hat nun eine geeignete Fläche der Stadt Leipzig ermittelt. Die Fläche gehört der Stadt und befindet sich südöstlich der A38 am Rande der Ortschaft Liebertwolkwitz.
Der Vorstand hat dazu Gespräche mit der Stadt aufgenommen. Eine Reservierung wurde vorläufig zugesagt. Weitere Prüfungen werden durch die zahlreichen beteiligten Fachabteilungen der Stadt eingeleitet. Ziel ist zunächst eine vertragliche Vorvereinbarung mit der Stadt als rechtlicher Grundlage für den eigentlichen Antragsprozess. Dieser ist mit zahlreichen Begutachtungen, u.a. zu Geologie, Tier- und Landschaftsschutz, nicht nur aufwendig, sondern auch teuer.
Da sich das Gelände auch am Rande des „Südlichen Schlachtfeldes“ der Völkerschlacht befindet, hatte die EGL zuvor gemeinsam mit der Sächsischen Energieagentur (SAENA) und dem Sächsischen Landesamt für Denkmalschutz die Vereinbarkeit mit der Erinnerung an die Geschichte geprüft. Diese Verträglichkeitsprüfung hat die Fläche bestanden. Auch die übrigen unmittelbaren gesetzlichen Kriterien wie 1000 m Abstand zu bewohnten Gebieten und keine Überschneidung mit Landschaftsschutzgebieten gelten als erfüllt.
Nächst benachbart ist hier die Gemeinde Großpösna. Unter Hinweis auf die in dieser Gemeinde erfolgte Bürgerbeteiligung (s.o.) hat deren Bürgermeister diesem Vorhaben der EGL widersprochen. Der Vorstand bemüht sich um ein Gespräch mit der Gemeinde. Auch eine Beteiligung an einem Windrad auf der Fläche benachbart zur Deponie Cröbern wäre denkbar – damit könnte ein Bürgerwindrad Teil des Projekt auf dem Gemeindegegiet Großpösna werden. Der Vorstand hofft auf weitere konstruktive Gespräche mit der Stadt Leipzig und den umliegenden Gemeinden.
. . . in Großpösna: Aktive Mitgestaltung durch Bürgerbeirat
Mit erfolgreichem Bürgerbeteiligungsprozess hat die Gemeinde eine konstruktive Stellungnahme erarbeitet: „Der Ausbau von Windenergie ist ein Thema, bei dem man sich so richtig „in die Wolle“ bekommen kann. Aber nicht muss! Wir in Großpösna haben frühzeitig auf einen Beteiligungsprozess mit dem „Bürger-Beirat Windkraft“ gesetzt . . .
Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 25.08.2025 eine Stellungnahme zum Entwurf des Regionalplans beschlossen. Dies erfolgte auf der Grundlage der Empfehlung des „Bürger-Beirats Windkraft“ . . .
Im Ergebnis sollen an einer einzigen Stelle im Gemeindegebiet mögliche Windenergieanlagen konzentriert werden. Dies soll aus unserer Großpösnaer Perspektive „hinter“ der Deponie Cröbern möglich sein. Dort könnte das 1,3 %-Flächenziel an einer Stelle erfüllt werden und ein Wildwuchs im Gemeindegebiet mit einzelnen Anlagen an allen möglichen Standorten verhindert werden. Alle anderen Flächen in unserer Gemeinde wurden mit der Stellungnahme abgelehnt.“ (Gemeindeinformation v. 07.10.25)
. . . in Naunhof: Bürgerentscheid gegen Windkraft
Am 1. März 2026 haben die Bürgerinnen und Bürger von Naunhof mehrheitlich entschieden. Die Stadt soll alle rechtlichen Möglichkeiten nutzen, um Windenergieanlagen auf dem Gemeindegebiet zu verhindern. Die Entscheidung zeigt: Mitbestimmung und Akzeptanz sind entscheidend für die Umsetzung der Energiewende.
Für die Stadt bedeutet das, dass neue Windprojekte künftig abgelehnt werden, Projekte an andere Standorte verlagert werden müssen und Repowering erschwert wird.
Für uns als Energiegenossenschaft bedeutet das:
Bürgerenergieprojekte mit Beteiligung vor Ort sind der Schlüssel, um die Energiewende erfolgreich, regional und sozial getragen umzusetzen.
Energie & Beteiligung: Bürgerinformationsabende im Landkreis
Die Verantwortlichen für den Klimaschutz im Landratsamt des Landkreises Leipzig laden zu Bürgerinformationasabenden mit dem Thema „Veränderungen in der Energieversorgung betreffen uns direkt in unseren Kommunen, unserem direkten Umfeld und im Alltag. Doch was heißt das konkret vor Ort? Welche Spielräume gibt es für Bürgerinnen und Bürger?“ ein.
Bei den Bürgerinformationsabenden kommen Verwaltung und Regionalplanung mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch. In vier regionalen Räumen [s.u.] geben Experten Einblicke in aktuelle Entwicklungen in der Region. Nach einer kurzen Einführung wechseln die Teilnehmenden zwischen zwei Themenräumen:
Themenraum 1: Möglichkeiten und Grenzen der Raumordnung
Themenraum 2: Vorstellung eines Bürgerbeteiligungsprojekts und Sammlung von Impulsen für den weiteren Beteiligungsprozess.
Ziel ist ein sachlicher, gleichberechtigter Austausch mit Blick auf die lokale Perspektive.“
In den folgenden vier Regionen wird zu Veranstaltungen beginnend in der letzten Februarwoche eingeladen:
- in Borna: für den Raum Borna
Dienstag 24.02.2026 18:00 – 20:30 Uhr, Gymnasium „Am Breiten Teich“, Am Breiten Teich 4, 04552 Borna - in Bad Lausick: für den Raum Grimma
Donnerstag 05.03.2026 18:00 – 20:30 Uhr, Werner-Seelenbinder-Schule, Frohburger Straße 9, 04651 Bad Lausick - in Brandis: für das Partheland
Dienstag 10.03.2026 18:00 – 20:30 Uhr, Oberschule Brandis, Poststraße 20, 04821 Brandis - in Zwenkau: für den Südraum Leipzig
Dienstag 17.03.2026 18:00 – 20:30 Uhr, DPFA-Regenbogen-Gymnasium Zwenkau, Pestalozzistraße 15, 04442 Zwenkau
Zur Anmeldung für die Veranstaltungen: über vorstehenden Links, das Beteiligungsportal des Landkreises oder über Beteiligungsmöglichkeiten der Bürgerenergie – Landkreis Leipzig.
Brandis macht mit einem „Lost Place“ bundesweit Furore
Vor ein paar Monaten erhielt Brandis Besuch vom Magazin AufRuhr: der Journalist Philipp Nagels sprach u.a. mit Norman Richter (JUWI), Joachim Eckstein (EGL) und Vince von Gynz-Rekowski (Kulturbüro Sachsen e.V.).
Seine Eindrücke hat Nagels jetzt unter der Überschrift „Bürgerbegehren in Brandis: wie Windkraft eine Kleinstadt spaltet“ im genannten Magazin veröffentlicht. Das Magazin wird von der Mercator Stiftung herausgegeben und widmet sich u.a. dem Themenschwerpunkt „Klimaresiliente Gesellschaft“.
Energiewende ohne Wind — geht nicht!
In Leipzig und den umgebenden Landkreisen Nordsachsen und Lk Leipzig wurden in den ersten 9 Monaten dieses Jahres keine Genehmigungen zur Neuerrichtung oder Repowering von Windkraftanlagen erteilt. Auch laufende Genehmigungsverfahren mit vollständigen Antragsunterlagen zum 30. September 2025 sind in diesem Gebiet im vierteljährlichen Bericht des sächsischen Umweltministeriums nicht verzeichnet.
Diese mehr als stagnierende Situation in unserer unmittelbaren Umgebung passt zur negativen Bilanz des Windkraftausbaus seit 2020 in Sachsen: nach einer Auskunft des Staatsministeriums im Landtag von Ende November stehen in diesem etwa 5jährigen Zeitraum 47 Neuanlagen 55 Windkraftanlagen gegenüber, die vom Netz genommen wurden.
Wie bereits mit der „Entschleunigung“ der Regionalplanung für geeignete Gebiete im September begonnen, will die Landesregierung mit der Zurücknahme der Flächenplanung noch weiter gehen. Anfang Oktober sprach sich Ministerpräsident Kretschmer gemeinsam mit weiteren ostdeutschen Ministerpräsidenten dafür aus, „das vom Bund vorgegebene Flächenziel von 2% der Landesfläche für Windenergie bis 2032 zu relativieren bzw. ganz zu kippen“ (VEE-Bericht zur Energiepolitischen Debatte in Sachsen)